Konventionelle und ökologische Landwirtschaft in Hamburg

Ökologische Lebensmittel aus der Hamburger Landwirtschaft


5. Konventionelle und ökologische Landwirtschaft in Hamburg - ein Überblick

Abbildung 2 (aus: Hamburger Landwirtschaft - Umwelt der Stadt, S. 3)

Seit 1960 hat sich h in Hamburg die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 22.400 auf 14.000 Hektar vermindert, das sind rund 19 Prozent der Gesamtfläche. Diese 14.000 Hektar werden wie folgt genutzt:

Abbildung 3 (aus: Hamburger Landwirtschaft - Umwelt der Stadt, S. 4)

Die regionalen Schwerpunkte liegen mit 6.9000 Hektar im Bezirk Bergedorf, der das größte geschlossene Gartenbaugebiet Deutschlands enthält, sowie in den Süderelbemarschen mit 3.500 Hektar, genutzt vor allem für den Obstbau.

Die "klassische Landwirtschaft" mit Milch- , Fleisch- und Getreideproduktion nimmt zwar rund Dreiviertel der Flächen ein, aber die 424 Betriebe (mit rund 10.000 Stück Rindvieh, gut 5.000 Schweinen und 80.000 Hühnern) erwirtschaften nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes, der bei rund 300 Mio. DM pro Jahr liegt. Allein die auf 209 ha Freiland und 213 ha Unterglasfläche konzentrierten Zierpflanzenbetriebe kommen auf einen Umsatz von gut 115 Mio. DM, gefolgt von der Sparte Frischobst mit 88 Mio. DM und Frischgemüse mit 54 Mio. DM (alle Zahlen von 1990).

Zierpflanzen kultivieren rund 900 Betriebe, Gemüsebau betreiben 666 und auf den Obstbau entfallen rund 200 Betriebe. Die Stadt Hamburg besitzt rund 7.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, die überwiegend verpachtet ist (aus: Ökologische Landwirtschaft in Hamburg, hrsg. von den Hamburger Wasserwerken, S. 10).

Umweltfolgen konventioneller Landwirtschaft:

Hauptursache vieler Umweltbelastungen ist der - auch politisch gestützte - Zwang zur Produktionssteigerung. Die Verdoppelung bis Verdreifachung der Flächenerträge wurde erkauft mit dem starken Einsatz meist synthetisch hergestellter Mineraldünger. Zwischen 1950 und 1980 stieg der Einsatz von Stickstoff um 460 Prozent, von Phosphor um 170 Prozent und von Kalium um 140 Prozent. Ergebnis:

  • Vielerorts ist das Grundwasser durch eingesickertes Nitrat aus Stickstoffdünger so stark belastet, daß eine Trinkwassergewinnung unmöglich ist.
  • Die Überdüngung vor allem mit Stickstoff läßt die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens verarmen (Schädigung von Mikroorganismen und Wurzelpilzen). Es bedarf immer neuer Düngerzufuhr.
  • Die Intensivdüngung erhöht die Anfälligkeit der Pflanzen gegenüber Pilzen und Schädlingen.
  • Die Düngemittelherstellung verschlingt große Mengen Energie und damit fossile Rohstoffe.

Veränderte Nutzungsarten, insbesondere die Zunahme von großen Feldern und Monokulturen, gingen einher mit Landschaftverarmung, Entwässerung, Gewässerausbau, Beseitigung von Böschungen, Feldgehölzen, Bodenverdichtung durch schwere Maschinen. Die wichtigsten Folgen:

  • Entwässerung und Beseitigung von Feuchtgebieten, sinkende Grundwasserstände, Entfernung naturnaher Biotope durch Veränderung ihres Wasser- und Nährstoffhaushaltes.
  • Starke Verarmung der Pflanzen- und Tierarten. Heute sind von den verbliebenen Arten 29 Prozent der Blüten- und Farnpflanzen, 36 Prozent der Vogelarten und 47 Prozent der einheimischen Säugetiere in ihrem Bestand gefährdet.
  • Durch Vernichtung der Lebensgrundlage vieler Insektenarten steigender Schädlingsbefall, der durch den Einsatz von Pestiziden bekämpft wird. Pestizidrückstände finden sich in Nahrungsmitteln und im Grundwasser.
  • Steigende Gefahr der Bodenerosion.
  • Labile, künstlich statisch gehaltene, artenarme Ökosysteme.

(aus: Ökologische Landwirtschaft in Hamburg, hrsg. von den Hamburger Wasserwerken, S. 7).

Grundsätzlich gelten die allgemeinen Probleme der Intensivlandwirtschaft auch in Hamburg, wenn auch weniger ausgeprägt. Noch zeigen Messungen im oberflächlichen Grundwasser relativ geringe Belastungen. In einigen Ackerbaubereichen auf sandigen Böden wird die Nitratbelastung steigen. Ein besonderes Problemfeld bilden intensiv bewirtschaftete Sonderkulturen mit starker Pestizidanwendung in den Vierlanden, die im Einzugsbereich des wichtigen Wasserwerkes Curslack liegen. Das Verfahren für die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes läuft dort an.

Einen Fortschritt in Richtung niedriger Pestizidausbringung bildet der von rund 90 Prozent der Obstbauern im Alten Land praktizierte "integrierte" Obstbau, der vorrangig auf mechanische und biologische Pflanzenschutzmittel setzt und begrenzten chemischen Pflanzenschutz nur bei unzumutbaren Ertragseinbußen zulassen soll. Im Gemüsebau versuchen nur 21 Betriebe diese "integrierte" Methode. 1993 beteiligten sich 83 Betriebe an einem Beratungsprojekt der Gartenbauversuchsanstalt zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

Dem Schutz von Biotopen durch weniger intensive und eingeschränkte Nutzung dient das 1987 beim Naturschutzamt der Umweltbehörde eingerichtete sogenannte "Extensivierungsprogramm", das 1992 18 Prozent der Landwirtschaftsflächen umfaßte. Bei Naturschutzauflagen erscheint eine rentable Flächennutzung ohne Fördermittel kaum noch möglich.

(aus: Ökologische Landwirtschaft in Hamburg, hrsg. von den Hamburger Wasserwerken, S. 10)


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